Wir haben bereits auf unseren Seiten über spanischen Wein das Terra Alta eingehender von der Seite des Weinanbaus her beschrieben. Dabei wurde auch auf die klimatischen Bedingungen dieser Region kurz eingegangen. Man kann man leicht ermessen, dass für den Olivenanbau, wie auch generell für den Anbau von Feldfrüchten wesentlich andere Anforderungen bestehen. Klimatechnisch gesehen weist die Tendenz eindeutig in Richtung kontinentaler Matur, wegen der Nähe zum Mittelmeer, jedoch unter dem Einfluß eines mediterranen Hauptklimas.
Auf Grund der durchschnittlichen Höhenlagen der Anbauflächen in dieser Region kommt der Bezeichnung 'großräumiges Mikroklima' eine besondere Bedeutung zu. Die durchschnittliche Höhe liegt zwischen 350 und 450 Meter, und diese Klimabedingungen, sowie die geografischen Voraussetzungen der Landschaft, haben in den vergangenen Jahrhunderten die weitere natürliche Entwicklung der Olivenpflanze entscheidend beeinflusst. Solche Gegebenheiten wirken sich langfristig auf den Lebenszyklus von Nutzpflanzen und deren Fruchtentwicklung aus.
Olivenöl mit der Herkunftsbezeichnung Denominación d origen, bedingt an sich schon die Anwendung von Regularien und Kontrollverfahren, die sowohl für den Anbau der Frucht, wie auch für die Herstellung des Endprodukts genau festgelegt worden sind. Der örtliche Consejo Regulador (die zuständige Aufsichtsbehörde) überwacht präzise die Einhaltung der Vorgaben und eine etwaige wiederholte Nichterfüllung der selben, würde zum sofortigen Ausschluss des jeweiligen Produzenten bzw. landwirtschaftlichen Betriebes führen.
ist ein natives Olivenöl, welches aus den Früchten des Olea Europaea (wissenschaftlicher Name für Ölbaum) von der Hauptsorte Empeltre oder von einer Mischung aus der Sorte Empeltre und den Sorten Arbequina, Morruda und Farga gewonnen wird. Die in der Olivenölproduktion angewandten Herstellungsverfahren verändern weder die Qualität des Öls, noch seinen Geschmack oder sein Aroma. Die Olivensorte Empeltre ist bei diesem Olivenöl die Hauptsorte, da sie im Erzeugungsgebiet vorherrschend angebaut wird. Das Öl mit der Herkunftsbezeichnung Aceite de Terra Alta oder Oli de Terra Alta hat folgende Eigenschaften:
Sauber und transparent, ohne Schleier oder sonstige Eintrübungen
blassgelb bis hin zu dunklem altgoldgelb
fruchtiger Geschmack, wenn das Olivenöl gerade frisch abgefüllt worden ist, welcher sich später in eine leicht süßliche Richtung, mit aromatischen Noten, von Mandeln oder frischen Nüssen verändert
im Panel-Test 6,5
höchster Säuregehalt (% Ölsäure) 0,50
höchste Peroxydzahl (meq 02/kg) 18
K270 max. 0,20
K232 max. 2,50
Grenzwert für Feuchtigkeit und flüchtige Bestandteile (%) 0,20
Grenzwert für Fremdstoffanteil (%) 0,10
Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf das Amtsblatt der Europäischen Union C 61/23 vom 10.3.2004, welches im PDF Format zum Download vorliegt.
Die Oliven stammen direkt von Anbauflächen folgender Gemeinden in der Region des Terra Alta:
Arnes, Ascó, Batea, Bot, Caseres, Corbera d'Ebre, Flix, Gandesa, Horta de Sant Joan, La Fatarella, Pinell de Brai, Pobla de Massaluca, Prat de Comte,Ribaroja d'Ebre, Ribera d'Ebre und Vilalba dels Arcs.
Je nach Größe der Bäume ist eine relative Dichte zwischen 50 und 80 Bäumen pro Hektar im allgemeinen Pflanzplan vorgesehen und diese Vorgaben sind im Erzeugungsgebiet üblich. Bei der Beschneidung werden die Bäume durch die Entfernung der Altholz- und Wildwuchsteile verkleinert, wodurch sie eine rundliche Form erhalten, die ähnlich wie im Weinanbau auch, die Fruchtbildung entscheidend verbessert und zusätzlich die Ernte vereinfacht. Derzeit liegen ca. 90 % der Bäume auf nicht bewässerten und der Rest auf bewässerten Flächen. Die Ernte erfolgt i. d. R. durch Pflücken von Hand oder durch das Schütteln der Bäume, wobei diese Technik von Mitte November bis Ende Januar zum Einsatz kommt.
Diese Arbeitsgänge erfolgen nur in Betrieben, die sich im Erzeugungsgebiet der o. g. Gemeinden befinden und in das entsprechende Register der Aufsichtsbehörde eingetragen sind. Die Öle, die im Laufe des Herstellungsprozesses sämtliche Kontrollen sowie die physikalisch-chemischen Analysen und sensorischen Prüfungsbedingungen bestanden haben, kommen anschließend unter der geschützten Herkunftsbezeichnung, mit Aufkleber, und Kontrolletikett versehen auf den Markt. Gegebenenfalls wird von der Aufsichtsbehörde noch eine nummerierte Qualitätsauszeichnung verliehen
Das native Olivenöl extra wird nur aus den gesunden Oliven, der von der Aufsichtsbehörde genehmigten Sorten gewonnen, welche erst in ihrem optimalen Reifezustand mit größter Sorgfalt direkt von den Bäumen geerntet werden. Nach dem Transport der Oliven unter festgelegten Bedingungen zur Vermeidung von Beschädigungen, werden sie zur Weiterverarbeitung in Ölmühlen gebracht, wo in mechanischen Verarbeitungsverfahren, wie das Waschen und Zermahlen der Oliven, das Schleudern der Paste, die Trennung von Wasser und Öl und die Lagerung durchgeführt wird. Nach Prüfung wird das Olivenöl anschließend in Behälter mit einem Fassungsvermögen von bis zu 5 Litern oder in Flaschen abgefüllt. Die Oliven müssen spätestens 48 Stunden nach der Ernte gemahlen werden, um jede Art von Veränderungen, die ihre Qualität beeinträchtigen könnten, zu vermeiden. Das Olivenöl darf nur aus Oliven der Hauptsorte Empeltre oder aus einer Mischung dieser Sorte mit den oben bereits erwähnten gewonnen werden. Ausschließlich Olivenöl, das aus Oliven von Bäumen mit einem Mindestalter von fünf Jahren gewonnen wurde, darf unter der geschützten Ursprungsbezeichnung Aceite de Terra Alta oder Oli de Terra Alta verkauft werden. Der Herstellungsprozess von der Erzeugung, Abfüllung bis hin zur Etikettierung findet in Betrieben im Erzeugungsgebiet statt, um auch durch kurze Transportwege, einen etwaigen Qualitätsverlust so gering wie möglich zu halten. Dadurch wird auch eine leichtere Kontrolle des gesamten Produktionsverfahrens möglich.
Der Olivenanbau in Terra Alta hat eine Jahrhunderte lange Tradition und man nimmt als sicher an, dass der Olivenanbau in Katalonien bzw. im Terra Alta bis auf die Anwesenheit der Araber auf der Iberischen Halbinsel zurück geht. Die auch heute noch oft verwendete Bezeichnung Almazara für Ölmühle ist ganz eindeutig arabischer Herkunft. Ferner galt der Olivenbaum in der Gemeinde Batea im 18. Jahrhundert noch vor Getreide und Wein, als die wichtigste Kulturpflanze.
Da sich viele spanische der kleineren Landwirtschaftsbetriebe über Generationen hinweg neben dem normalen Anbau von Feldfrüchten zusätzlich noch mit dem Olivenanbau oder dem Weinanbau beschäftigt haben, sind landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (Cooperativas) in Spanien etwas mehr verbreitet als in z. B. Deutschland. In jüngster Zeit sind gewisse Tendenzen zu erkennen ganz kleinen und von den ursprünglichen Eigentümern aufgegebenen Produktionsflächen für Olivenanbau oder Weinbau, die vornehmlich durch die normale Erbfolge und eine zwangsläufig damit verbundene Verkleinerung von Bauernhöfen entstanden sind, wieder neues Leben einzuhauchen.
So gibt es ein paar Firmen und Genossenschaften, welche sich auf die Bewirtschaftung dieser s. g. Latifundien spezialisiert haben und aus den vorhandenen Rebflächen oder Olivenhainen inzwischen qualitativ hochwertige Produkte herstellen. Diese Art der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung verhindert den Verfall und die Verwilderung wertvoller Böden und in weiterer Konsequenz auch die Verkarstung von ganzen Landschaften. Der normalen Bodenerosion, wie auch der weiteren Aufgabe kleiner Landbaubetriebe wird auf diese Weinse Einhalt geboten. Als Folge davon bleiben die schönen Landschaftsbilder meistens erhalten und der umweltverträgliche Tourismus im Kleinformat wird entscheidend gefördert.